#25 Was los? Mit dem Fall Weißmann

Shownotes

Daten und Fakten

  • Roland Weißmann ist ein österreichischer Journalist und Medienmanager, der vom 1. Jänner 2022 bis zu seinem Rücktritt am 8. März 2026 als Generaldirektor des ORF tätig war.
  • Weißmann wurde im März 2026 mit Vorwürfen einer Mitarbeiterin konfrontiert. Er habe sie offenbar kurz nach seinem Amtsantritt 2022 sexuell belästigt.
  • Die österreichische Wochenzeitung „Falter“ hat Chat-Auszüge zwischen dem entlassenen ORF-Generaldirektor und jener Frau veröffentlicht, die diesem sexuelle Belästigung vorwirft.

Gesprächspartnerin:

Barbara Tóth: Journalistin, Historikerin und Buchautorin. Sie leitet beim Falter das Medienressort und ist bekannt für ihre Recherchen zur Politik, Medien und Zeitgeschichte.

Das Thema in der WZ

Das Thema in anderen Medien

Der Podcast wird produziert von Oh Wow Podcasts

Und: Checkt doch mal Algokind aus! Algokind ist eine Initiative der Wiener Zeitung und will zeigen, wie Algorithmus-Systeme funktionieren.

Transkript anzeigen

00:00:00:

00:00:07: Ihr hört dem Podcast der WZ, in dem wir euch sagen was los ist.

00:00:11: Jede Woche filtern wir für euch Themen aus der Nachrichtenflut und reden darüber.

00:00:14: Heute nur mit mir Sandra.

00:00:16: ich bin ein Viertel des Waslos-Teams.

00:00:18: dazu gehören auch noch Madia Nora und Mimi.

00:00:20: letzte Woche haben Madia und ich über Kinderinfluencer gesprochen.

00:00:23: heute habe ich einen ganz besonderen Gast hier Babratotisch Journalistin Historikerin und Buchautorin.

00:00:30: Sie leitet beim Falter das Medienressort und ist bekannt für ihre Recherchen zur Politik, Medien- und Zeitgeschichte.

00:00:36: Und vor kurzem hat sie eine Recherche veröffentlicht über die das ganze Land gerade spricht – die Kauser Roland Weismann.

00:00:42: Roland Weismann war bis vor Kurzem Generaldirektor des österreichischen Rundfunks.

00:00:46: Einen Tag nach dem Weltfrauentag wird sein Rücktritt bekanntgegeben.

00:00:49: Eine Mitarbeiterin wirft ihm sexuelle Belästigung vor.

00:00:52: RolandWeismann bestreitet ein Fehlverhalten.

00:00:54: Der Falter hat nun Chats zwischen ihm und der betroffenen Frau veröffentlicht.

00:00:58: Heute sprechen wir darüber wie diese Recherche zustande kam, was drin steht und warum sie so wichtig ist.

00:01:03: Hallo Bauerer, schön dass du da bist!

00:01:05: Hallo

00:01:05: Sandra, danke für die Einladung.

00:01:07: Bevor wir über die Recherchen sprechen – Wir haben eine kleine Tradition in unserem Podcast das sogenannte Speeddating Ich stelle dir drei kurze Fragen und du antwortest einfach spontan wenn es okay ist.

00:01:26: Okay starten wir mit der ersten Frage Was ist zurzeit deine Lieblingsserie?

00:01:32: The Morning Show.

00:01:33: Das

00:01:34: mache ich auch sehr gern.

00:01:35: Viele Assoziationen, das hat es gefunden!

00:01:38: Wenn du so eine richtig stressige Redaktionssitzung hattest?

00:01:41: Was ist der beste Snack danach?

00:01:43: Eines Preissumacchiato am hohen Markt.

00:01:46: Da gibt's ein nettes kleines Café.

00:01:48: Das ist gleich um die Ecke vom Falter und das Beste ist man kann dort auch in der Sonne sitzen.

00:01:53: Steh' ich...

00:01:54: Und die letzte Frage, die vielleicht auch ein bisschen auf das Thema hinführt Hast du schon mal eine Geschichte recherchiert, bei der du wusstest, dass wir Konsequenzen haben?

00:02:02: Vielleicht auch für mich persönlich.

00:02:04: Ja und was ist das oft bei Geschichten so?

00:02:07: Und... Das ist ja auch das Gute!

00:02:09: Weil Journalismus soll ja etwas verändern.

00:02:11: Dann fangen wir vielleicht mal ganz von vorne an.

00:02:14: Was ist eigentlich passiert in der Causa Rolan, weiß man?

00:02:17: Ja da gibt es eine ORF-Mitarbeiterin und den ORF Schäf.

00:02:20: Und der ORF schäf spricht diese Mitarbeiterin an.

00:02:25: Da sind wir so Ende zwei neunzehn Und es entwickelt sich eine Freundschaft zwischen den beiden, eine Bekanntschaft.

00:02:32: Und er fängt dann aber an aus dieser Freundschaft immer mehr zu wollen und mehr zu verlangen von dieser Frau.

00:02:38: Das zieht sich über fast zweieinhalb Jahre dieses Woll nach Meer – sie blockt das immer ab, wird dann wütend!

00:02:45: Und das geht so hin und her und ist für die Frau richtig belastend und quälend.

00:02:50: Und verkurzt man sich die Frau daneben entschlossen sich darüber zu beschweren.

00:02:55: Nicht ganz einfach, wenn man sich über den obersten Schäf im ORF beschwerden möchte, weil man dort selber Mitarbeiterin ist.

00:03:00: Weil all die Stellen dem ORF sich mit den Fragen von Übergriffen auseinandersetzen berichten direkt an diesen Schäfen.

00:03:08: Deswegen hat sie einen eher ungewöhnlichen Weg gewählt.

00:03:10: Sie ist an ein ORF-Stiftungsrad herangetreten und hat dort ihre Beschwerde deponiert.

00:03:16: Und daraufhin hat dann der Stiftungsrat, ja das Kontrollorgan des ORFs mit Herrn Weißmann sofort Kontakt aufgenommen und zuerst einmal gesagt versucht das intern zu klären untereinander.

00:03:27: Das hat nicht geklappt, daraufhin ist dann Herr Weißmann zurückgetreten und mittlerweile sei er auch gekündigt.

00:03:33: die ganze cause wurde öffentlich was ursprünglich ja nie so intendiert war von keiner der beiden Seiten.

00:03:40: Ja jetzt erleben wir natürlich seit Wochen eine Diskussion wo es um Fragen geht Was ist Missbrauch am Arbeitsplatz?

00:03:46: Beziehungsweise Machtmissbrauch oder Machtübergriffigkeit?

00:03:50: Was ist sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz?

00:03:53: Aber natürlich auch die Frage, wie gut ist der ORF als öffentlich-rechtliches Unternehmen aufgestellt um diese Themen intern zu handhaben.

00:04:02: Und das stürzt natürlich den ORF in eine große Krise in einer Phase wo ohnehin viel politischer Druck auf ihn da ist und wo auch eine neue Generaldirektion demnächst bestellt wird.

00:04:12: Aber wichtig finde ich es vor allem, dass das ganze Land jetzt auch darüber diskutiert was sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz bedeutet wo's anfängt und wie man sich dagegen wehren kann.

00:04:22: Das kam ja dann eben auch eure wichtige Recherche im Falter?

00:04:25: Was genau habt ihr veröffentlicht?

00:04:28: Wir haben diese ganze Affäre oder dieses Skandal, nennen wir es mal so von Anfang an sehr genau begleitet.

00:04:34: mir ist es gelungen die Sicht der Frau quasi in den Mittelpunkt meiner Berichterstattung zu stellen.

00:04:41: Also ich habe immer auch wiedergegeben, wie Herr Weißmann es sieht.

00:04:44: aber mir war sehr wichtig auch wiederzugeben, wie die Frau es sieht und ich hab schon öfters über solche Mit-to-Skandale berichtet und das ist ja nicht ganz einfach weil meistens steht der Aussage gegen Aussage und das Besondere bei diesem Fall war dass es einen sehr umfassenden Chatverlauf oder eine Dokumentation gibt.

00:05:04: also die Frau hat sehr viel gespeichert von den Nachrichten, die Herr Weißmann hier geschickt hat.

00:05:09: Sie hat sich ja sehr bedroht gefühlt sie hatte Angst ihren Job zu verlieren und sie hat deshalb ab einer gewissen Phase auch Gedächtnisprotokolle von Anrufen angefertigt woher weiß man sie betränkt und bedrohte.

00:05:21: Und ich konnte Einsicht nehmen in dieses Material.

00:05:24: also ich bin ja von meiner Ausbildung auch Historikerin.

00:05:26: Also das sind halt Quellen Die natürlich Gewicht haben weil es nicht nur Aussagen sind.

00:05:30: Das ist verschriftlich der Kommunikation die sehr viel aussagt Und nachdem erweist man dann zuletzt sehr offensiv in die Öffentlichkeit gegangen ist, um seine Version dieser Geschichte zu erzählen.

00:05:44: Die heißt es war alles einvernehmlich und wechselseitig Es war ganz sicher keine sexuelle Belästigung im Spiel und im Übrigen ist das alles sein höchstpersönlicher Lebensbereich und deswegen mag er da auch nicht im Detail dazu was sagen und er hat die Frau ja auch als jemandem dargestellt der die Unwahrheit sagt.

00:06:02: Und nachdem er sozusagen so offensiv in der Öffentlichkeit mit dieser Version der Geschichte da war, haben wir uns eine gründliche Abwägung und Beratung auch mit unserer Medienanwältin Maria Wintager im Falter dazu entschieden.

00:06:14: Jene Chats die wirklich bezug nehmen auf das was Herr Weißmann öffentlich behauptet im Wortlaut auch im Fall dazu veröffentlichten.

00:06:21: einfach um gegenüberzustellen Was sagt der CEO des öffentlich-rechtlichen Rundfunks oder der ehemalige CEO zu diesen Sachen?

00:06:29: Und was ist aber in den Chats dokumentiert?

00:06:32: und das war für uns ein ganz wichtiges Momentum der Aufklärung, weil da geht es eben finde ich um sehr viel.

00:06:38: In diesem Fall.

00:06:39: Du hast es ja auch schon angesprochen, du bist ja Journalistin die schon viele Erfahrungen mit solchen Themen hat, mit so hoch sensiblen Themen Wie geht man damit um?

00:06:48: Also wie gehst du damit um, wie geht man mit solchen Chats um?

00:06:50: Was sind also die Gedankengänge, die man hat?

00:06:54: Also jetzt ganz offen gestanden Ein sich zu nehmen in dieser Konversation, die sich ja im Summe über fast vier Jahre zieht war auch für mich belastend.

00:07:04: Ich mag jetzt gar nicht mal darüber sprechen wie belastet das für die Frau, für die Betroffene gewesen sein muss aber selbst wenn man es dann quasi mit Abstand und mit dieser journalistischen Distanz lesen muss, ist das schon... also das löst schon was aus in einem weil man sich natürlich immer mit denkt.

00:07:19: hier schreibt der Chef der sehr viel mächtiger ist Es macht Gefälle sehr offensichtlich zwischen einem CEO und einer Angestellten, die halt vier, fünf Ebenen unter ihm ist.

00:07:29: Und das gibt dem Ganzen dann auch noch so eine ja Angst einflößende und fast bedrohliche Seite.

00:07:38: Also das ist das Eine.

00:07:39: Das andere ist natürlich dass man sehr, sehr genau immer wenn man dann die Geschichten schreibt abwiegen und entscheiden muss was ist wirklich von öffentlichem Interesse?

00:07:50: Und was ist privat?

00:07:51: Und das ist gerade bei MeToo-Film eine Abgrenzung, die wichtig ist und wo man sehr genau arbeiten muss.

00:07:57: Deswegen haben wir uns ja auch immer entschieden nur jenen Teil der Chats darüber zu berichten indirekt oder halt dann letztendlich auch im Wortlaut die Bezug nehmen auf das was Herr Weismann in den Raum

00:08:10: stellt.".

00:08:10: Es gab jetzt noch Kritik nach der Veröffentlichung der Chads also Weisman sagt es persönlicher Lebensbereich, auch andere Medienhäuser die dann sagen das ist Privatsache.

00:08:19: Wie gehst du oder wie geht ihr damit um?

00:08:21: Naja es gibt ja auch Klagen.

00:08:24: also mittlerweile wurde der Falter sich die Klage bei uns eingelangt.

00:08:28: Habt ihr das vorher schon abgewogen?

00:08:29: Das haben wir natürlich abgewoben.

00:08:31: Ja klar!

00:08:31: Also wenn man sich entscheidet diesen Schritt zu gehen und zu sagen wir zitieren jetzt wortwörtlich aus den Quellen, dann wiegt man das natürlich ab und es ist ein natürlich bewusst dass Klagen kommen werden oder dass Kritik kommen wird.

00:08:44: Wir sind eben der Meinung, dass Recht auf Aufklärung gerade weil es um den öffentlich-rechtlichen Rundfunk geht wiegt höher.

00:08:51: Das Interesse der Öffentlichkeit wiegt höher als das Interesse Herrn Weißmanns auf diesem Teil seiner Privatsphäre, denen er ja im Übrigen selber exponiert hat in zahlreichen Interviewen.

00:09:01: Ja jetzt gibt's Klagen.

00:09:03: Es gibt auch eine Klage gegen mich persönlich.

00:09:05: d.h.

00:09:05: die nächsten Monate werden sicher Der Fall Weißman wird mich auch noch weiter beschäftigen.

00:09:10: Deshalb mich nämlich auch interessiert wenn man einer Journalistin ist die mit solchen Recherchen oder solche Recherche durchführt, hat man dann manchmal auch Angst dass man persönlich also selber zur Zielscheibe wird?

00:09:19: Also wenn man eine gute Redaktion hinter sich stehen hat.

00:09:24: Dann kann man diese Angst haben aber weiß eben auch das man den Schutz hat was sehr wichtig ist.

00:09:31: ich denke an diesen in diesen Momenten und oft an Kolleginnen die vielleicht Einzelkämpferinnen sind die nicht einer redaktion Hinter sich stehen haben Die keine MedienanwältInnen zur Seite haben Vielleicht auch keine Unterstützung zur Seite haben.

00:09:45: Ich denke aber auch an die Frau über die ich geschrieben habe, die lang nicht so top von Netz, das wäre beispielsweise ein Herr Weismann der ja von drei sehr guten Anwälten beraten wird und der natürlich in der österreichischen Medien-Szene jeden anderen CEO und jeden Chefredaktor kennt.

00:10:01: also dass es da ungleiche Startvoraussetzungen gibt in solchen Auseinandersetzungen ist glaube ich evident.

00:10:08: Das hast du kurz angesprochen gehabt?

00:10:09: Aber noch mal vielleicht genauer wie hat denn der ORF reagiert?

00:10:12: Der ORF hat auf unsere Berichterstattung sehr deutlich reagiert, also jetzt wie wir die Chats veröffentlicht haben.

00:10:21: In Griturne hat ja noch am gleichen Abend in einem Statement für die Zeit im Bildzweil gesagt – jetzt wo sie quasi singe im SD diese Chats gesehen hat!

00:10:31: Also so was darf einfach nicht passieren und sie fühlt sich bestätigt in der Entscheidung Herrn Weißmann zu kündigen.

00:10:38: Sie hat das auch bei der Antriebspressekonferenz, also nochmal Bezug genommen auf die Chats und jetzt zuletzt auch im Mittagsschornal.

00:10:43: Und das finde ich... Das war für mich persönlich auch sehr wichtig weil das am Anfang die Frage gestellt quasi... Schandalismus soll ja wirken!

00:10:52: Es soll ja was verändern.

00:10:55: Ich habe den Eindruck dass die wortwörtliche Veröffentlichung der Chats im ORF aber vor allem auch bei Ingrid Thurn, die hier bis dato keine Chats kannte internen ORF-Komplex bericht zu der ganzen cause waren die Chats nicht abgedruckt, dass das für ihre Entscheidungsfindung und für ihre Argumentation ein ganz wichtiges Momentum war.

00:11:13: Und ja da bin ich... Das hat mich gefreut, dass sie das so gesehen hat.

00:11:19: Gab es auch Reaktionen seitens der Politik?

00:11:22: Also jetzt nicht bei mir persönlich aber ich habe natürlich die Parlamentsdebatte zuletzt zum ORF im Generellen verfolgt wo ja auch die Chads immer wieder vorgekommen sind.

00:11:33: Besonders in Erinnerung ist mir geblieben die Rede von Alma Sardic, die auch sehr klar die Chats zitiert hat und eben ganz klar gesagt hat.

00:11:39: Das sind einfach Dinge, die wir in Österreich nicht wollen aber wahnsinnig viele Frauen im ähnlicher Art und Weise leider immer noch erleben Und das ist mir persönlich auch so wichtig.

00:11:48: Die Berichterstattung soll ja auch jenen Frauen also erstens das Bewusstsein schaffen dafür was sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz bedeutet Aber sie soll Frauen auch den Mut geben sich dagegen zu wehren.

00:12:00: Und wenn ich ein bisschen was dazu beitragen konnte und der Falter mit seiner Berichterstattung, dann bin ich schon happy.

00:12:06: Ich würde

00:12:06: so sagen das ist ein ORF-Problem oder ein Problem in der Medienwelt weil es die ganze Recherche wurde ja auch sehr zum Anlass genommen um Kritik am ORF zu üben.

00:12:15: Und ich habe auch mit meiner Kollegin Eva Sager gesprochen, die eben also Recherchen gemacht hat zur Macht bis Brauch im Arbeitsplatz.

00:12:20: Super Geschichte von der Eva muss ich an dem Punkt sagen.

00:12:22: Das hab' ich sehr gerne gelesen.

00:12:24: Verlinken

00:12:24: Sie's in den Show Notes?

00:12:25: Ja!

00:12:27: Doch, also Machtmissbrauch überall passiert aber es gibt gewisse Branchen wo einfach die Risikofaktoren höher sind unter anderem die Medienbranche.

00:12:33: Also prekäre ökonomische Situationen stressige Arbeitszeiten wie würdest du das einschätzen?

00:12:38: Ja ich würde das auf jeden Fall so sehen.

00:12:41: oder manche erinnern sich vielleicht noch an den Fall Wolfgang Felner der vor einigen Jahren eigentlich so der erste Methu-Fall in der Medienwelt war der so richtig groß geplatzt ist.

00:12:51: Umso interessanter fand ich auch das Handling der ganzen Sache von Herrn Weissmann, weil da muss ja auch den Fall Fellner gekannt haben.

00:12:58: Aber dass vielleicht nur nebenbei was mir bei meinen Recherchen schon auch aufgefallen ist, ist, dass der ORF vielleicht auch dadurch, dass das so ein Uf oder am Königlberg oben ist also quasi so ein in sich geschlossenes Gebäude, dass es da schon eine ganz besondere Stimmung gibt und im Zuge jetzt dieser Geschichte sind auch viele an mich herangetreten um mir ähnliche Dinge zu erzählen, die sie erlebt haben.

00:13:21: Und wir kennen ja auch die sogenannten – also ich würde es nennen – Cold Cases.

00:13:25: Also es gibt im ORF drei, vier, fünf wahrscheinlich noch ein paar mehr Fälle von prominenten oder sehr hochstehenden Männern-Managern, die ähnlich umgegangen sind mit Frauen wo es Beschwerden gab und in einem Fall die Frau sogar entlasten wurde während des Arbeitsgerichtsprozesses Und der mutmaßliche Täter, seine Karriere trotzdem fortsetzen konnte.

00:13:49: Also im ORF gibt es da glaube ich ein strukturelles Problem und die Frau war kein Einzelfall.

00:13:55: was mit den Grund ist glaube ich warum die Geschichte jetzt auch so bewegt weil es eben viele Frauen gibt die sagen puh endlich hat sich damals wirklich getraut was zu sagen und Herr Weißmann ist eben nur einer von mehreren die sich das so verhalten haben dass Frauen im Arbeitskontext Na ja, so ein bisschen wie freiwillig eigentlich.

00:14:17: Wie würdest du generell die Reaktion der Öffentlichkeit beschreiben?

00:14:21: Gespalten, wie immer bei diesem Thema sehr viel Zuspruch aber natürlich auch viel Kritik.

00:14:26: und was ich sehr oft bei solchen Mit-To-Fällen auffällt ist dann natürlich die traditionellen Rollenmuster, die durchgespielt werden also all die Argumente, die kamen, die Frau hat das doch eh gewollt.

00:14:38: Ah, die soll sich nicht so.

00:14:39: Das wird ja schon gefallen haben und es ist doch super wenn man mit dem Schiff und so.

00:14:43: Also das müssen wir natürlich auch alles sozusagen jetzt wieder rezipieren.

00:14:48: Und für mich ist das manchmal so wie wenn jetzt das Opfer noch ein zweites Mal belästigt wird diesmals maßenhaft.

00:14:55: Was würdest du also?

00:14:56: Das hat gerade im Fall Fällen angesprochen.

00:14:58: Jetzt ich Hause weiß mal generell was immer wieder zur sexuellen Belästigung macht und es braucht... vor allem in der Medienbranche aufkommt.

00:15:05: Was glaubst du, müsste sich ändern?

00:15:06: Also was sind wirklich so Sachen die sich verändern müssten?

00:15:11: Also strukturell das ist übrigens auch ein Vorschlag den jetzt der Arbeitsrechte Roland Gerlach im aktuellen Interview mit mir im Falter gebracht hat und den ich sehr klug finde.

00:15:23: also Herr Gerlacher ist der Anwalt der den Stiftungsrat begleitet hat in der Kauser-Weißmann Und er sagt, wir bräuchten eigentlich so fast Track-Prozesse bei der gleiche Behandlungsanwaltschaft.

00:15:33: Also derzeit wenn man sich als Frau beschweren möchte über Missbrauch oder Machtmissbrauche oder eben Belästigung dann dauert das oft relativ lang bis man zu seinem Recht kommt und das ist ja wahnsinnig quälend für alle Beteiligten.

00:15:48: Das ist ja mit dem Grund warum Arbeitgeber solche Dinge auch nicht gern anfassen weil sie wissen dass das im Unternehmen für massive Verwerfungen sorgt.

00:15:56: Und sein Vorschlag war, dass man eben seinen Fast-Track-Modus findet.

00:16:00: Dass diese Frauen so eine schnelle Anlaufstelle haben wo ihnen unmittelbar und schnell geholfen wird weil das ja auch psychisch so belastend ist in einem solchen Verfahren quasi hineinzugehen.

00:16:10: Also das ist für mich strukturell ein gutes Ding und wichtig ist.

00:16:15: ich meine das habe ich jetzt auch beim Fall weiß man so ein bisschen mitbekommen.

00:16:19: also Solidarität mit dem Abfeuchten jetzt mal neutral ich meine in dem Fall bis seine Frau betroffen können ja auch Männer sein oder geschlechterneutral sozusagen, Solidarität mit den Betroffenen.

00:16:32: Also auf der Leber die betroffenen ja dann auch dass sie so ein bisschen Personen und Grater werden und keiner mit ihnen was zu tun haben will bis die Sache geklärt ist.

00:16:40: und das dauert ja oft bis entschieden ist was passiert ist.

00:16:43: und sehr oft ist es ja so, dass Betroffene sich beschweren im Grunde in dem Moment sich auch darauf einstellen müssen, selbst wenn Sie am Ende recht bekommen ... in dieser Firma nicht mit gut werden arbeiten können.

00:16:58: Und das kann es eigentlich nichts sein, oder?

00:17:00: Absolut!

00:17:01: Hast du... Also dass ihr schon öfter auch solche Recherchen gemacht aber jetzt speziell bei der Causa Weißmann was hast Du persönlich für Dich aus der Recherche mitgenommen?

00:17:12: Das ist eigentlich immer noch schlimmer als ich dachte.

00:17:15: Ich bin dann ja irgendwie in den Jahrhundert und siebzehn also ich mache den Job jetzt schon recht lange.

00:17:20: Kann mich erinnern wie ich so meine ersten journalistischen Also so ersten nicht praktisch, aber halt so frichsefreie.

00:17:27: Da war es beim Newsfall da mit der Ende der Neunziger und damals gab's unter den Kolleginnen wurde man sehr bald darüber informiert dass man mit einer gewissen Person besser nicht alleine im Lift hochfährt weil diese Person den Ruf hat zu grabschen.

00:17:47: Da gab es die Frauen-Solidarität im Sinne von, dass sich die Frauen untereinander gewarnt haben und dass wenn junge Frauen ins Haus neu gekommen sind.

00:17:53: Die älteren Kolleginnen gesagt haben, passt auf, macht das nicht?

00:17:58: Das war natürlich super wichtig.

00:18:00: aber strukturell hat sich nichts geändert.

00:18:02: also die Person wurde da glaube ich nie offiziell belangt und ich habe mir gedacht okay das ist irgendwie... war halt in den neunzigern so.

00:18:11: aber seitdem muss ich doch was geändert haben.

00:18:13: ja und dann recherchiere ich diese Sache und denke mir Das gibt's doch nicht.

00:18:17: Fast zwanzig Jahre später und quasi in ein paar Generationen weiter, so viel Aufklärung und immer noch.

00:18:25: Also das muss ich sagen hat mich persönlich auch... also es ärgert mich einfach.

00:18:31: Wir haben dann ja auch den Aufruf gestartet dass sich junge Frauen vor allem, die haben sich dann gemeldet, die Erfahrungen gemacht haben mit Machtmissbrauch oder Sex oder Belästigung und ich hatte es dann doch ausschockiert, dass ihm die gefühlt jeder schon mal irgendeine Erfahrung macht, wo man vielleicht auch später erst checkt.

00:18:45: Weil man jung war.

00:18:46: Das war eigentlich nicht okay.

00:18:47: Eigentlich weiß es nicht.

00:18:48: Ja ich meine es gibt eher auch Forschung dazu.

00:18:50: Es gibt ja auch dieses Statistik wo man dann sieht wie häufig das passiert.

00:18:55: Wir müssen uns immer noch an den Bewusstsein dafür, dass das eben Belästigung ist, was passiert und dass man sich dagegen wehrt.

00:19:00: Und dass man es nicht immer nur weglächelt und verdrängt und dann Jahre später draufkommt hey eigentlich voll Org!

00:19:06: Was da mal passiert ist?

00:19:07: Warum habe ich mich... Man ärgert sich ja auch so, dass man damals nicht reagiert hat, man ärgerte sich so über sich.

00:19:13: Ja also aber es liegt nicht an uns unser Verhalten zu ändern im Sinne von der Betroffenheit sondern natürlich an den Menschen die das machen zu checken, dass das einfach ein No-Go ist.

00:19:23: Und insofern ist glaube ich all die Aufklärung, die hoffentlich jetzt im Zuge dieser Affäre auch passiert ist.

00:19:29: Ich glaube wir alle haben vieler zugelernt also hoffe ich.

00:19:33: Was würdest du denn Betroffenen, die so etwas erlebt haben raten wie sie am besten vorgehen?

00:19:38: Ratsch handeln und sich rasch beschweren.

00:19:40: Das finde ich es wichtiger, wichtiger Rat weil je länger man zuwartet, desto... Also das ist nicht so gut für die Glaubwürdigkeit.

00:19:49: lieber gleich beschweren, gleich sagen.

00:19:52: Ja, gleich aufzeigen ist nicht so stehen lassen weil auch dieses Stehenlassen gibt natürlich den Gegenüber das Gefühl es ist eh nichts passiert.

00:20:01: Ich meine du hast mit der Betroffenen gesprochen die Geschichte hat dich lange begleitet.

00:20:05: oder auch bei deinen anderen Recherchen.

00:20:07: wie schafft man das dann als Journalistin dass man dann auch irgendwie das von sich abgrenzt?

00:20:12: also da sind das nicht... Die ganze Zeit stand ich begleitert dass man auch selber irgendwie

00:20:16: Ja, also natürlich wenn in Phasen einer intensiven Recherche ist man natürlich sehr verbunden mit dem Thema und da es Abgrenzung schwierig aus der Schmiedkolleginnen hilft.

00:20:31: Und natürlich weil am Wochenende auch das Ende ein paar Stunden abschalten und eine Runde Winzer öffnen gehen um Neusecklersee hilft immer.

00:20:38: Barbara vielen Dank!

00:20:40: Das war extrem spannend.

00:20:41: Danke dass du die Zeit genommen hast.

00:20:43: Das ist eine extrem wichtige Arbeit, die ihr da im Falter geleistet habt.

00:20:47: Danke!

00:20:49: Wir werden euch natürlich die ganzen Artikel in unsere Show Notes und die komplette Recherche verlinken.

00:20:55: Wie immer abonniert gerne unseren Podcast, lasst uns einen Kommentar da, lasste uns ein Rating da auf den Fünf-Sternen gerne.

00:21:02: Und am Ende noch eine ganz wichtige Info was los wird eine Woche pausieren das heißt nächste Woche gibt es keine neue Folge aber euch erwartet etwas richtig cooles auch diesem Kanal.

00:21:12: deswegen bleibt gespannt.

00:21:13: Tschüssi.

Neuer Kommentar

Dein Name oder Pseudonym (wird öffentlich angezeigt)
Mindestens 10 Zeichen
Durch das Abschicken des Formulars stimmst du zu, dass der Wert unter "Name oder Pseudonym" gespeichert wird und öffentlich angezeigt werden kann. Wir speichern keine IP-Adressen oder andere personenbezogene Daten. Die Nutzung deines echten Namens ist freiwillig.