#2 Bonuspunkte – Der Hörspaziergang zum ESC | Hofburg
Shownotes
Geh mit uns von der Wiener Staatsoper über den Heldenplatz und das Museumsquartier bis zum Café Savoy am Ende des Naschmarkts: In den nächsten rund 60 Minuten führen wir dich auf einem Streifzug durch die Wiener Innenstadt vorbei an unseren Hörstationen. Bei jeder Station erzählen dir aktuelle und ehemalige ESC-Teilnehmer:innen, Fans und Historiker persönliche Geschichten, Wissenswertes und Funfacts zum ESC. Jede Station ist einem speziellen Thema gewidmet wie den Fragen, wie sich Klassik und Pop verbinden lassen, oder, wie politisch der ESC eigentlich ist.
„Bonuspunkte – Der Hörspaziergang zum ESC“ ist ein Hörspaziergang der WZ, produziert von Inselmilieu Reportage.
Gesprächspartner:innen
- Cesár Sampson (ESC-Teilnehmer für Österreich 2018 in Lissabon)
- Kaleen (ESC-Teilnehmerin für Österreich 2024 in Malmö)
- Dutzi Ijsenhower (ESC-Fan und Drag Queen)
- Florian Wagner (Historiker vom Haus der Geschichte Österreich)
Songs
- Walter Andreas Schwarz – Im Wartesaal zum großen Glück
- Bob Martin – Wohin, kleines Pony
- Udo Jürgens – Merci, Chérie
- Conchita Wurst – Rise Like A Phoenix
- JJ – Wasted Love
- Tunetank/Pixabay – Intro-Jingle
Weiterführende Links
Credits
Produktion WZ: Madeleine Geosits, Petra Tempfer, Friedrich Boecker
Produktion Inselmilieu Reportage: Julia Breitkopf und Jana Mack
Redaktionelle Leitung: Madeleine Geosits
Interviews und Recherche: Madeleine Geosits, Petra Tempfer, Friedrich Boecker, Julia Breitkopf und Jana Mack
Moderation und Social Media: Sandra Vučić
Storytelling: Julia Breitkopf und Jana Mack – Inselmilieu Reportage
Brand Management: Lena Jansa
Grafik: Katharina Wieser
Technische Umsetzung: Georg Zeglovits, Fabian Obermann (F5)
Chefredaktion WZ: Katharina Schmidt, Sebastian Pumberger
Transkript anzeigen
00:00:02:
00:00:06: Hey, this is Kaleen.
00:00:07: Enjoy your walk!
00:00:20: Es gibt einen Hafen da fährt kaum
00:00:22: ein Schiff und wenn eines fährt so in
00:00:25: unbestimmte Fernen...
00:00:30: Der Zweite Weltkrieg und die Diktatur des Nationalsozialismus sind erst elf Jahre her.
00:00:35: Zu diesem Zeitpunkt sucht die Europäische Rundfunkunion, EBU nach einem Weg die zerstrittenen Länder des Kontinents friedlich zu vereinen.
00:00:43: Musik gilt als die universelle Sprache Die Grenzen überwinden und ein gemeinsames europäisches Gefühl schaffen soll.
00:00:58: Für dieses TV-Ereignis will Deutschland einen Holocaust überlebenden als CSC-Statter aus.
00:01:03: Walter Andreas Schwarz sinkt über die Schwierigkeiten, in der Gegenwart glücklich zu sein.
00:01:16: Florian Wagner vom Haus der Geschichte Österreich erzählt uns, dass Österreich zuerst die Anmeldepfrisst verpasst und erst ein Jahr später zum ersten Mal am Eurovision Song Contest teilnimmt.
00:01:28: mit Wohin kleines Pony.
00:01:58: Und es ging um ein kleines, süßes und unschuldiges Pony das durch die Landschaft reitet.
00:02:03: Der Blick ist nach vorne gerichtet und wenn man jetzt diese beiden Beiträge politisch liest merkt man natürlich schon dass da ein ganz großer Unterschied eigentlich in der Art wie wird auf die Vergangenheit geschaut?
00:02:14: Wie wird auf den Gegenwart geschaut?
00:02:16: und wie wird in dem Fall auf die Zukunft geschaut?
00:02:18: nämlich dieses Pony reitet fröhlich in eine Zukunft möchte sich aber nicht auseinandersetzen mit der Vergangenhalt.
00:02:45: Der Interpreet Bob Martin landet nineteen fünfzig mit diesem Song auf dem zehnten Platz von insgesamt zehn TeilnehmerInnen.
00:02:52: Das erste Mal gewinnt Österreich dann im Jahr neunzehn sechsundsechzig.
00:02:56: Udo Jürgens bringt mit Merci Chéry den Grand Prix Eurovision de la Chanson nach Wien.
00:03:03: Es war sein dritter Versuch, nachdem er schon in der Saison aus dem Jahr nineteen
00:03:16: vierund sechzig
00:03:25: und neunzehnfünfundsechzig für Österreich angetreten war.
00:03:32: erstmals die Möglichkeit bekommen den Songkontest auszutragen.
00:03:35: Und man hat sich dann für die Hofburg entschieden, also eigentlich für diesen imperialen Prunk und das korrespondiert sehr gut mit dieser Art wie man generell nach fünfundvierzig versucht hat ein neues Österreich aufzubauen nämlich mit einem historischen Rückgriff auf die Habsburger
00:03:53: Monarchie.".
00:03:54: Die damalige Moderation von Erika Wall ist legendär.
00:03:58: Sie fand in sechs Sprachen statt und hat auch ziemlich lang gedauert.
00:04:13: In ihrem Bemühen, die perfekte europäische Brückenbauerin zu sein, verstrickt sich Erika Waal in der Netzung Sprachen und Entschuldigungen.
00:04:23: Ins Unfall will ich komischer, weil sie halt zum einen diese ganz vielen Sprachen spricht dort und sich danach auch noch entschuldigt bei allen Ländern deren Sprachen.
00:04:32: Sie nicht spricht und das wirklich so ins Absurde abkleidet.
00:04:35: und sie verspricht dann sogar noch dass sie wenn der Song Contest da nochmal in Österreich stattfinden wird in den kommenden Jahren bis dahin weitere Sprachen gelernt haben wird.
00:04:52: Du bist wahrscheinlich gerade am Denkmal von Kaiser Franz Josef dem Ersten vorbeigegangen.
00:04:57: Für viele ÖsterreicherInnen war der Kaisern nach restorieren ein Symbol für eine gute alte Zeit, die man heraufbeschwor um die Zeit des Nationalsozialismus schnell zu vergessen.
00:05:10: Man wollte eigentlich mit dem Verweis auf eine große Vergangenheit, die wir uns sehr positiv verklärt haben, so ein bisschen in die nähere Vergangenkeit zum Vergessen bringen.
00:05:20: Er hat sogar Möbel extra angefertigt, die in dieses Hofburg-Flair passen.
00:05:25: Also dann eigentlich so barocke Möbel aus den... ...Ninzehnvierzigern und Fünfzigerjahren stehen dann dort herum Und das hat man gemerkt In der Musikauswahl, also man hat dann irgendwie Straußwalzer gespielt Die Sängerknaven sind aufgetreten
00:05:39: Österreich und der ESC.
00:05:41: Das ist eine Beziehung mit einer ordentlichem Portion Drama.
00:05:45: Florian Wagner vom Haus der Geschichte meint, es habe sich eine ganz eigene österreichische Erzählung entwickelt.
00:05:51: Wir empfinden uns gerne als die Unverstandenen – die Dauerverlierer!
00:05:58: Aus einer österreichischen Perspektive behauptet man werde zu wenig wertgeschätzt, weil Österreich sei ja eigentlich das Land der Musik.
00:06:05: Man hat irgendwie Mozart schuppert Strauß und Europa wisste es nicht zu schätzen und deshalb schneiden österreichische Beiträge oft so unrechts schlecht ab.
00:06:14: Und in der Geschichte des Songcontestern auch institutionell immer wieder dazu geführt dass dann der ORF einfach ein paar Jahre ausgesetzt hat.
00:06:21: Tatsächlich hielt Österreich bis vor kurzem den Rekord für die längste Zeitspanne zwischen zwei Siegen.
00:06:27: Achtundvierzig Jahre liegen zwischen dem Sieg von Udo Jürgens und dem von Conchita Wurst.
00:06:33: Aktuell führt Spanien mit der am längsten andauernden Durchstrecke ohne neuerlichen Gewinn – es sind mittlerweile siebenundfünfzig Jahre!
00:06:40: Und dann war da noch dieses legendäre Debakel zweitausendfünftzehn.
00:06:44: Als erstes Gasgeberland überhaupt landeten wir mit The Make Makes, mit Nullpunkten auf dem letzten Platz.
00:06:52: In solchen Momenten verfallen wir kollektiv in unsere liebste Rolle — die Opferrolle Nicht zum ersten Mal in der Geschichte Österreichs.
00:07:00: Aber wie fühlt sich das eigentlich für die an, die da oben auf der Bühne stehen und diesen Druck aushalten müssen?
00:07:07: Kaleen hat das im Jahr ist, als sie mit We Will Rave vorletzte wurde.
00:07:13: Ich finde jeder Künstler, der dort hingeht wird zuerst einmal verurteilt um Gotteswillen.
00:07:17: Da schicken wir hin!
00:07:19: Wer hat sich das ausgesucht?
00:07:20: Sehen wir uns doch wirklich sicher, dass wir sicher schlecht werden Egal was, also egal welches Jahr.
00:07:25: Ich glaube es war bei mir so.
00:07:26: Es war bei JJ so... ich weiß nicht mit was das was zu tun hat.
00:07:30: Ich glaub die österreichische Mentalität leider und da bist du noch nicht einmal ganz zu Hause.
00:07:34: praktisch geht schon wieder die Frage los okay wer ist jetzt als nächstes dran?
00:07:37: Und man hat dann das Gefühl man wird so weggeworfen.
00:07:40: auch
00:07:41: finde ich super schade auch dass mal die Künstler nicht so unterstützt wie zum Beispiel jetzt Sportleute die zu den Olympischen Spielen fahren oder so und dann eben weg geworfen zu werden.
00:07:48: und Anführungszeichen war nicht so easy für mich.
00:07:53: Caesar Samson, der im Jahr two-tausendachzehn Dritter wurde und die Drag Queen Dutzi Eisenhower glauben dass wir uns oft selbst im Weg stehen.
00:08:00: Statt mutig zu sein werden wir nervös.
00:08:03: Dabei gibt es doch die Chance unser Image in Europa komplett neu zu definieren.
00:08:07: Es
00:08:07: dürfte ruhig wagemutiger sein das finden alle beim Song Contest.
00:08:10: Das ist so dieses Österreich Klischee.
00:08:13: Die österreich wird kollektiv nervös wenn's zu experimentell ist.
00:08:16: Vielleicht kommt das an unsere Trauma unserer Landestrauma Ja, oh Gott der macht was ganz anderes.
00:08:21: Was ist wenn das schlecht ist?
00:08:23: Wenn es ganz übel ist?
00:08:24: und dann müssen wir alle dafür zahlen.
00:08:29: Ab des Gefühles Österreich da so als sehr kleines Land und auch als Land dass immer wieder lange Strecken lang wenig Rollen spielt oder es halt irgendwie nicht ins Finale schafft.
00:08:43: Dass die da sehr bewusst sind, dass sie sich da auch repräsentieren können und zeigen können Wir sind jetzt mehr als nur... Berge, und wir sind mehr als nur Walzer.
00:08:52: Also ich glaube das Österreich Starship zu sagen Wir sind ein modernes Land, wir sind ein offenes Land, auch ein queres Land Und da halt eben diese Chance nutzt um den ESC zu öffnen.
00:09:11: Diese Offenheit von der Duzzi spricht ist das moderne Gesicht Österreichs Wenn du jetzt weiter über den Heldenplatz gehst spürst du aber auch die Schatten der Vergangenheit.
00:09:22: Dort ziehst Du den Balkon der neuen Burg, von dem aus Adolf Hitler, in den sogenannten Anschluss Österreichs an Nazi Deutschland verkündete.
00:09:32: Doch genau dort drinnen im Haus der Geschichte Österreich hat sich das Blatt gewendet!
00:09:38: In den ehemaligen Prunkräumen werden die wichtigsten Relikte unserer ESC-Geschichte aufbewahrt.
00:09:43: Ich würde sagen, das Lieblingsobjekt ist eigentlich dieses Conchita-Kleid.
00:09:46: Weil sich damit so viel erzählen lässt und weil es auch wirklich so schön präsentiert ist in der Ausstellung... Es gab mal eine Besucherin, die hat gemeint wenn man sich anschaut wie dieses Kleid in der Vitrine präsendiert ist, pappt man den Eindruck dass der Sieg von Conchitta Wurst beim Songkontest das wichtigste Ereignis der zweiten Republik war So unwichtig war, dass es gar nicht ist.
00:10:09: Ich finde das eigentlich sehr passend und fand diese Beobachtung sehr schön weil sich da ja wirklich gesellschaftspolitisch ganz viel gedreht und auch sehr viel getan hat.
00:10:19: und auch wenn man sich die Emanzipationsgeschichte von queeren Menschen in Österreich anschaut haben wir in den Jahren nach dem Sieg von Conchita Wurst viele große Schritte stattgefunden.
00:10:41: Tatsächlich ist es faszinierend zu sehen, was sich nach Conchita's Sieg.
00:10:47: In den Jahren nach diesem Auftritt hat sich die Rechtslage für queere Menschen in Österreich rasant verändert – vom Adoptionsrecht für gleichgeschlechtliche Paare bis hin zur Ehe für alle.
00:11:00: Im Haus der Geschichte findest du auch ein Boot!
00:11:03: Es ist das Boot mit dem J.J.
00:11:05: twenty-fünfundzwanzig für Österreich Die Bühne im Basel eroberte.
00:11:09: Florian Wagner sieht im Boden eine mächtige Metapher
00:11:13: Und da ist ja das spannende, dass unterschiedliche Wasserfahrzeuge in ganz vielen Songs vorkommen und die stehen selten wirklich für Boote oder Schiffe.
00:11:21: Sondern es sind dann Metaphern für Verlassen werden, für eine große Liebe wiederfinden.
00:11:27: Es sind auch Metapheren für Migration von Einwandern auswandern und auch in den Bühnenbildern des Songkontests an Boote- und Schiffe eine Rolle gespielt.
00:11:37: Boote
00:11:37: als Metapfer für Liebe oder Migration – Das ist die künstlerische Ebene!
00:11:42: Aber beim ESC geht es auch um eine viel härtere Realität.
00:11:46: In den letzten Jahren haben wir hautnah miterlebt, wie manche Länder ausgeschlossen wurden.
00:11:50: Andere trotz massiver Proteste nicht!
00:11:53: Das wirft die eine große Frage auf, die seit Jahrzehnten die Gemüter spaltet und ganze Fan-Communities zerreißt – wer darf eigentlich mitspielen?
00:12:02: Wo ziehen wir die Grenze?
00:12:03: Und wie politisch ist der Eurovision Song
00:12:05: Contest?!
00:12:06: Diese Fragen beantworten mir dir bei unserer nächsten Station... Auf dem Heldenplatz.
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