#3 Bonuspunkte – Der Hörspaziergang zum ESC | Heldenplatz
Shownotes
Geh mit uns von der Wiener Staatsoper über den Heldenplatz und das Museumsquartier bis zum Café Savoy am Ende des Naschmarkts: In den nächsten rund 60 Minuten führen wir dich auf einem Streifzug durch die Wiener Innenstadt vorbei an unseren Hörstationen. Bei jeder Station erzählen dir aktuelle und ehemalige ESC-Teilnehmer:innen, Fans und Historiker persönliche Geschichten, Wissenswertes und Funfacts zum ESC. Jede Station ist einem speziellen Thema gewidmet wie den Fragen, wie sich Klassik und Pop verbinden lassen, oder, wie politisch der ESC eigentlich ist.
„Bonuspunkte – Der Hörspaziergang zum ESC“ ist ein Hörspaziergang der WZ, produziert von Inselmilieu Reportage.
Gesprächspartner:innen
- Abor & Tynna (ESC-Teilnehmer:innen aus Österreich für Deutschland 2025 in Basel)
- Cesár Sampson (ESC-Teilnehmer für Österreich 2018 in Lissabon)
- Kaleen (ESC-Teilnehmerin für Österreich 2024 in Malmö)
- Nathan Trent (ESC-Teilnehmer für Österreich 2017 in Kiew)
- Alice Tumler (moderierte den ESC 2015 in Wien und den ESC-Vorentscheid 2026 in Wien)
- Anna (ESC-Fan, 39, aus Wien)
- Dutzi Ijsenhower (ESC-Fan und Drag Queen)
- Peter Kraus (Stadtrat, Parteivorsitzender der Grünen Wien, Sprecher für Klima, Baukultur und Queerpolitik)
- Florian Wagner (Historiker vom Haus der Geschichte Österreich)
Songs
- Kalush Orchestra – Stefania
- We Don't Wanna Put In – Stefane & 3G
- Genealogy – Face The Shadow
- Jamala – 1944
- Tunetank/Pixabay – Intro-Jingle
Credits
Produktion WZ: Madeleine Geosits, Petra Tempfer, Friedrich Boecker
Produktion Inselmilieu Reportage: Julia Breitkopf und Jana Mack
Redaktionelle Leitung: Madeleine Geosits
Interviews und Recherche: Madeleine Geosits, Petra Tempfer, Friedrich Boecker, Julia Breitkopf und Jana Mack
Moderation und Social Media: Sandra Vučić
Storytelling: Julia Breitkopf und Jana Mack – Inselmilieu Reportage
Brand Management: Lena Jansa
Grafik: Katharina Wieser
Technische Umsetzung: Georg Zeglovits, Fabian Obermann (F5)
Chefredaktion WZ: Katharina Schmidt, Sebastian Pumberger
Transkript anzeigen
00:00:02: Du stehst jetzt mitten auf dem Heldenplatz.
00:00:32: Schau dich um!
00:00:34: Das Parlament, das Wiener Rathaus und die Hofburg.
00:00:38: Dreh eine Runde und lass deinen Blick schweifen Um dich herumstehen Gebäude in denen seit Jahrhunderten über unsere Zukunft behandelt wird.
00:00:46: Es geht um Macht, um Freiheit.
00:00:50: Was eint uns als Europa eigentlich?
00:00:59: Du hörst hier Stefanie von Kalusch Orchestra, den ukrainischen Gewinnersong des Eurovision Song Contest.
00:01:08: Eigentlich ist das ein Lied über die Mutter des Sängers.
00:01:12: Für viele wurde es aber zu einem Symbol für Widerstand und Zusammenhalt – für einen Land, dass gerade um seine Zukunft kämpft!
00:01:20: Ein Song der nicht explizit politisch ist und trotzdem politisch verstanden werden kann….
00:01:34: Aber wie viel Politik steckt eigentlich im ESC?
00:01:38: Wie politisch darf es sein.
00:01:41: Die offizielle Ansage der Europäischen Rundfunkunion EBU ist klar, gar nicht!
00:01:47: Laut Statuten ist das Songkontest eine unpolitische Unterhaltungsveranstaltung.
00:01:52: Doch wer die Geschichte des Wettbewerbs kennt weiß Musik war hier schon immer eine Fortsetzung der Politik mit anderen Mitteln.
00:02:00: Alice Tummler, die in den ESC in Wien moderiert hat sieht das so.
00:02:14: Der ESC wurde als Friedensprojekt geboren, er sollte eine Bühne sein auf der wir um Punkte singen statt gegeneinander Kriege zu führen Eine Art Europameisterschaft der Musik, in der es um das Miteinander geht.
00:02:36: Für die Künstlerinnen wie Nathan Trent, der Österreich-Zweißen-Ziebzehn vertreten hat fühlt sich das im Idealfall auch genau so an.
00:02:45: Du weißt du bist mit vielen Ländern in einem Raum und du repräsentierst dein eigenes natürliches System also automatisch eine politische Botschaft.
00:02:54: aber es hat sich nicht politisch angefühlt und das war glaube ich das was ich so geliebt habe Am ESC, das ist damals in meinem Jahr zumindest ging es so um die Musik.
00:03:04: Doch dieser scheinbar unpolitische Raum bekommt immer öfter Risse.
00:03:09: Kriege, Krisen und soziale Spannungen machen vor der Arena nicht Halt.
00:03:14: Caesar Samson, der im Lissabon für Österreich den dritten Platz geholt hat beobachtet genau diesen Wandel Dass immer wieder politische Themen den Songkontest berührt haben beeinflusst haben vor Ausforderungen gestellt haben, das war immer schon so.
00:03:30: Aber jetzt leben wir in einer wohlartigen Zeit, dass es einfach anders
00:03:35: ausschaut.".
00:03:36: Wer auf der Eurovision Bühne steht ist nicht nur Musikerin sondern Projektionsfläche für alles was in einem Land politisch gerade geschieht.
00:03:44: Das ist ein enormer Druck den auch die österreichische Teilnehmerin Kalin bei ihrem Auftritt im Malmö im Jahr.
00:03:52: Ich sehe mich nicht in der Aufgabe dazu, mich politisch zu äußern.
00:03:59: Ich bin für die Unterhaltung da dafür dass es Menschen auf der Bühne gut geht und sie vielleicht einen kurzen Moment haben wo sie genau dem entfliehen können.
00:04:06: Man sagt immer und steht auch an den Regeln ist das nicht politisch und darf nicht politischer sein?
00:04:10: ich glaube es ist mittlerweile sehr politisch.
00:04:13: Leider muss ich auch sagen man muss vorab aufpassen mit wem wir überhaupt gesehen werden wenn man die Hände schüttelt wie man spricht wie man Fotos macht wie man folgt auf Social Media.
00:04:23: also das war in meinem Fall super Schwierig irgendwie, weil ich mitbekommen habe dass die Fans rausgefunden haben das sich zum Beispiel der Künstlerin aus Israel vom Vorjahr gar nicht von meinem Jahrgang einfach gefolgt bin.
00:04:36: Da war noch nichts los.
00:04:37: politisch Schon in den Austragungen in Wien hat das Motto Building Bridges nicht immer funktioniert.
00:04:45: Erinnert sich Moderatorin Alice Thummler an den Auftritt Israels?
00:04:49: Es wurde ja sehr viel Gebot im Saal.
00:04:51: Und das hat man im Fernsehen gar nicht so gehört, im Saalkaas umfassbar laut!
00:04:55: Also wirklich und das fand ich dann wieder den Künstlern gegenüber einfach sehr respektlos weil ich mein was tut sich nicht aus wenn man herkommt?
00:05:04: Die Teilnahme Israels während des Gaser Krieges sorgte für die größten Proteste der ESC-Geschichte.
00:05:17: Mittendrin steckte das österreichische Duo Aber und Thünder, dass für Deutschland antrat.
00:05:23: Thünda erinnert sich an eine gemeinsame Straßenbahnfahrt mit den anderen Teilnehmerinnen.
00:05:27: Da gab es diese Waggons und da waren wir zum Beispiel Deutschland oder unsere Party war mit Israel in einem Waggon Und das war ganz schlimm weil da gab's natürlich ganz viele Leute die demonstriert haben die auch den Vagon beworfen haben und das hatte nichts mit ihr zu tun.
00:05:48: Also wirklich nix, das war einfach nur gegen Irland gerichtet oder wegen der Politik.
00:05:54: also da ging es gar nicht um Musik würde ich
00:05:56: sagen.".
00:05:57: Wir schreiben das Jahr zwölftausend sechsundzwanzig und die Stimmung rund um den ESC in Wien ist angespannt.
00:06:03: Fünf Länder haben die Reißleine gezogen und boykottieren die Show komplett Spanien, die Niederlande, Irland, Slowenien und Island.
00:06:13: Mit nur thirty-fünf TeilnehmerInnen ist das die niedrigste Beteiligung seit mehr als zwanzig Jahren.
00:06:19: Der Vorwurf des Doppelstandards steht im Raum.
00:06:23: Viele Fans fragen sich, warum wurde Russland zwei tausendzwanzig direkt nach dem Angriff auf die Ukraine sofort suspendiert?
00:06:31: Während Israel trotz der Eskalationen in Gaza und im Iran weiterhin auf der Bühne stehen darf.
00:06:36: Alice Thummler hat eine klare Haltung.
00:06:40: derzeit in Krisen sehr kompliziert, aber gut.
00:06:42: Man schießt alle kriegführenden Länder aus oder gar keins und das ist meine persönliche
00:06:47: Meinung.".
00:06:48: Aber ist dein Ausschluss immer die beste Lösung?
00:06:51: Peter Kraus, Wiener Stadtrat und ESC-Superfan sieht das kritisch!
00:06:56: Ich finde diese Rufen nach Ausschlüssen ganz schwierig.
00:07:02: ich verstehe woher sie kommen also ich versteh auch den Wut und den Ärger der dahinter liegt, den will ich gar nicht wegreden.
00:07:11: Da kommt es dann sehr schnell zu einer Gleichsetzung oft vor Regierung ist gleich Fernsehstation die eigentlich oft unabhängig sind, ist gleich Künstler oder Künstlerin und das dann sozusagen alles gleichzusetzen um zu sagen weil jemand anderen nämlich eine Regierung eine Entscheidung getroffen hat darf jetzt einem bestimmter Künstlerkünstlerin dort nicht teilnehmen ist aus meiner Sicht sehr schwierig.
00:07:36: ESC-Fan Anna hat für sich eine Entscheidung getroffen.
00:07:40: Sie verfolgt das Event seit Jahren, und im Jahr ist es schon sehr gut.
00:07:45: Ich war eigentlich immer der größte Songcontestfan schon seit meiner Schulzeit, ich war auch schon oft vor Ort live dabei – also ich liebe die eure Vision!
00:07:53: Aber heuer will ich nichts damit zu tun haben….
00:07:56: Ich war sehr enttäuscht dass er heuer wieder Israel teilnehmen kann braucht, damit wir nicht zu tun.
00:08:06: Als wäre irgendwie alles ganz normal und das wird das was wir jeden Tag in der Zeitung im Fernsehen sehen gar nicht passieren.
00:08:15: Während in Wien dann Sonka des Partys und die israelische Flagge im Fernsehn geschwenkt wird werden halt die Leute in Gaza einen Hunger leiden weil die Felder zerstört sind.
00:08:31: Tut mir wirklich im Herz weh, dass mein Song Contest mit dem ich verbinde Menschenrechte und Verbindung über die Landesgrenzen hinweg.
00:08:44: Liebe und Frieden so kitschig das ist!
00:08:47: Das Mein Song Contests dann verwendet wird als Propagandatool von einer Regierung Bei.
00:09:04: Korte und Rauswürfe ziehen sich durch die ESC-Geschichte wirren roter Faden.
00:09:09: In dem Song Gheorgien wollte Georgian in Moskau mit dem Song We Don't Wanna Put In an den Start ein deutlicher Disc gegen Vladimir Putin.
00:09:19: Georgian wollte damit gegen den russischen Einmarsch in Südorsetien protestieren.
00:09:24: Die EU fand das gar nicht lustig, verlangte eine Textänderung Und Georgian blieb lieber gleich zu Hause.
00:09:37: Ein weiteres Beispiel Zwei Tausend Fünfzehntrat Armenien mit dem Song Face the Shadow an.
00:09:44: Der ursprüngliche Titel war Don't Deny, eine direkte Anspielung auf die Leugnung des Völkermordes an den Armeniern durch die Türkei.
00:09:52: Die EU zwang Armenien zur Titeländerung da der politische Bezug zu direkt war.
00:10:13: Und was ist mit Staaten die systematisch LGBTQIA-Plusrechte verletzten?
00:10:19: Zwei Tausend Dreizehn wurde deshalb gegen Russland protestiert.
00:10:23: Der Historiker Florian Wagner argumentiert, dass die Teilnahme am Wettbewerb für diese Länder auch eine Chance sein kann.
00:10:29: Wenn man immer darüber diskutiert, soll jetzt dieser Staat oder jener Staat ausgeschlossen werden.
00:10:36: Weil selbst wirklich diktatorische Regime die beim Songkontest angetreten sind in der Vergangenheit ja dann auch in der Position war das wenn sie beim Song-Kontest antreten sie auch diese ganzen Beiträge ausstrahlen müssen.
00:10:49: Peter Kraus glaubt sogar dass genau das die größte Angst der Autokraten ist.
00:10:54: Für Putin und die russische Regierung ist glaube ich nix schlimmer als Queerness auf einer Bühne zu sehen.
00:11:03: Und klar wie nix besser für die Menschen vor Ort, also wenn ganz viele Russinnen und Russen lebensfrohe Queerness im Fernsehen
00:11:12: sehen.".
00:11:12: In der Theorie ist die Sache klar – Die EBU-Statuten unter sagenpolitische Symbole knallhart.
00:11:20: Doch was als politisch gilt, ist Auslegungssache.
00:11:23: Kann Kunst überhaupt neutral sein?
00:11:26: Peter Kraus glaubt Nein.
00:11:28: Sie ist immer ein Spiegel unserer Zeit.
00:11:31: Auch für Nathan Trent ist klar, Kunst passiert nicht im luftleeren Raum.
00:11:35: Ich mein irgendwo ist Kunst trotzdem auch politisch natürlich.
00:11:39: also irgendwie steht man als Künstler trotzdem für etwas ein nach dem was man repräsentiert.
00:11:45: ich glaube einfach es soll jedem künstler überlassen sein wie sehr es um eine politische Aussage geht oder ein politisches Statement und die Musik oder das beides irgendwie miteinander verbinden.
00:11:58: In einer Welt, die oft nur schwarz oder weiß kennt verlangt uns der ESC etwas Schwieriges ab.
00:12:04: Wir müssen aushalten dass Dinge gleichzeitig wahr sein können Dass man einen Song liebt aber die Politik dahinter kritisiert Das man feiert während man sich Sorgen macht.
00:12:16: Was meinen der Sänger Caesar Samson und Drag Queen Dutze Eisenhower dazu?
00:12:20: Ich glaube das Songkontest kann das gut verkraften dass immer wieder politische Themen sind.
00:12:25: so sind wir einfach als Menschen.
00:12:26: das bewegt uns gehört zu unserem Leben dazu, dass wir auch der Songkontest sicher nicht totschweigen.
00:12:33: Aber ich glaube, Songkondismus muss trotzdem schon anders bewahrt wird in der Ausrichtung die er sich vorgenommen hat.
00:12:40: Auch wenn wir divided by politics sind können wir trotzdem united by music sein nur weil da vielleicht Gäste sind, die wir nicht so gerne dabei hätten.
00:12:54: heißt das nicht, dass sie deswegen die Party nicht machen wollen und Spaß und Gemeinsamkeit und Community feiern können.
00:13:01: Obwohl eben nicht alles hundert Prozent so ist, wie wir das gerne
00:13:04: hätten.".
00:13:05: Und jetzt bist du dran!
00:13:07: Auf unserer Website wartet ein Voting auf dich.
00:13:11: Angenommen, du müsstest die Regeln für den ESC-Zweitausendsechsundzwanzig hier in Wien festlegen.
00:13:16: Darf ein Land mitmachen?
00:13:17: Das Krieg
00:13:18: hört?!
00:13:19: Wenn Du mit jemandem unterwegs bist tauscht ich doch darüber aus... Nimm diese Gedanken mit, wenn du dich mit Jamala aus der Ukraine und ihrem Song, Nineteen Forty-Four jetzt auf den Weg Richtung Museumsquartier machst.
00:13:31: Wir hören uns dort!
00:14:05: our souls.
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